In den Malabar-Bergen

Nach einem ersten Kontakt mit der IOFPCL, der Indian Organic Farmers Producer Company Ltd, auf der BIOFACH 2013 in Nürnberg erhielten wir neben sehr guten sonnengetrockneten Robusta-Mustern  auch ein sehr Muster eines gewaschenen Robusta. Die Qualität war so begeisternd, dass wir uns zusammen mit Quijote Kaffee entschlossen haben, einen Erstimport zu wagen.

IOFPCL ist die Vermarktungsorganisation verschiedener Bio-Bauern-Kooperativen in Kerala und Karnataka, die auch den Export der Kaffees von Organic Wayanad (Die Kooperative im Distrikt Wayanad) übernimmt.

 

Bisher hat IOFPCL schon erfolgreich Exporte an die GEPA realisiert, allerdings nicht auf dem von uns erwartete Qualitätsniveau. Bis dahin sollte es auch noch ein weiter Weg sein. V.a. die zur Aufbereitung nötige Infrastruktur, v.a. Pulper und eine Washing Station fehlten. Quijote Kaffee hat hierfür die Vorfinanzierung übernommen und den Kreditbetrag bis 2015 gestundet. Im Januar 2014 besuchten wir mit einer 4-köpfige Gruppe von Elephant Beans und Quijote Kaffee die Verarbeitungsanlagen, die sich auf dem Gelände der Ayurveda-Heilpflanzen-Kooperative Vanamoolika befinden.

 

Wir hatten während einer Woche nicht nur Gelegenheit, kleine Mengen Kaffee zu ernten und die Aufbereitungsanlagen mit in Betrieb, zu nehmen, sondern auch etliche Bauern auf ihren Betrieben zu besuchen. Die Betriebe arbeiten alle auf  hohem Bio-Standard, d.h. ohne externen Input. Alle organischen Dünger werden auf der Farm produziert und Abfälle recycelt.

 

In Kerala fanden wir einen überraschend hohen Lebensstandard vor, was. v.a. am hohen Bildungsniveau liegt. Viele junge Familienmitglieder arbeiten im Ausland und sorgen so zusätzlich für Einkommen. Das macht Saisonarbeit, die für die Ernte von Kaffee, Bethelnüssen, Gummi, Cashew und anderen Früchten notwendig ist, relativ teuer, sichert so aber auch angemessene Löhne. Wir trafen aber auch Bauern mit akademischer landwirtschaftlicher Ausbildung oder Lehrerfamilien, die den Betrieb im Nebenerwerb führen.

 

Im Mai 2014 erhielten wir die ersten 4 Tonnen der Produktion - weniger als erhofft, dafür aber in einer tollen Qualität, so dass wir behaupten - einer der besten Robusta-Kaffees in Deutschland - Testsieger 'Espresso' im crema Magazin, Ausgabe 10/11 2014

 

Januar 2015

 

Bei unserem zweiten Besuch im Januar 2015 hatte sich die Produktionssituation gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich verbessert. Aufgrund unserer Vorfinanzierung sind nun deutlich mehr Bauern der Kooperative bereit, beim Sammeln gezielt rote Kirschen zu separieren, um diese für die Nassverarbeitung abzuliefern. Die Kooperative bietet zusätzlich zum Basispreis eine Qualitätsprämie von bis zu 20 %. Zudem hat Organic Wayanad einiges Geld in die Aufrüstung der Infrastruktur investiert. So wurde ine Dieselgenerator angeschafft, um auch und v.a. nachts Kaffee aufbereiten zu können. Abwasser wird nun in einem größeren Absetzbecken aufgefangen, dann in Biogas und Kompost umgewandelt.

 

Hauptprobleme sind nach wie vor die aufgrund des Klimawandels zunehmen unvorhersehbaren Witterungsverhälnisse, die diesmal die Ernte nach hinten verschoben haben, sowie der Mangel an Arbeitskräften: Immer mehr qualifizierte wie unqualifizierte Menschen verlassen die Region, um beispielsweise in den Arabischen Emiraten Arbeit zu finden. Daher müssen viele Bauern dann ernten, wenn ihnen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Darunter leidet die Sammelqualität, und Kaffees müssen vor der Verarbeitung aufwändiger nachsortiert werden. Wir hoffen dennoch, mit der  Ernte 2015/16 nochmals eine Qualitäts- und Mengensteigerung erreichen zu können.

 

Januar 2016

Im dritten Jahr unserer Partnerschaft konnten wir erneut die Kaffeequalität entscheidend verbessern: Ein ca. 600 m² großes Trockenzelt ermöglicht eine kontante Trockung der gewaschenen Bohnen auf Trockennetzen am Boden bzw. auf Trockentischen. Dadurch hat der Kaffee deutlich an Süße gewonnen. Elephant Beans hat mit einem Bohnefeuchtemessgerät dazu beigetragen, dass dieser Prozess kontrolliert und dokumentiert werden kann. Immer noch haben viele der Kaffeebauern nicht ihren eigenen Kaffee zu trinken bekommen, zumindest nicht in der uns gewohnten Qualität. Deshalb haben wir im Rahmen einer Koopertivenversammlung vor Ort Musterröstungen hergestellt und diese im Vergleich mit Fehlbohnenselektionen gemeinsam mit etwa 20 Bauern verkostet und bewertet. Die Kooperative war derart beeindruckt, dass sie beim Gegenbesuch der Kooperativenleitung in Deutschland 25 Ausrüstungssets für die Handzubereitung von Kaffee (Mühlen, Filterträger, Papierfilter) nach Indien mitgenommen haben.
Haupthindernis für eine weitere Steigerung der Produktion sind die immer noch großen Abwasser und Schlammmengen, die bei der Produktion anfallen. Deshalb finanzieren wird zusammen mit Roasters United und Quijote Kaffee den Bau einer Pflanzenkläranlage zur Aufbereitung und Wiederverwendung der Abwässer (Umsetzung September-Dezember 2016).